Caritasverband für die Stadt Castrop-Rauxel e.V., 08.09.2015  

Belastete Familien stärken

Fachtagung nimmt gesundheitliche Folgen von Kindeswohlgefährdung in den Blick / Angst vor Stigmatisierung verhindert Hilfen


Castrop Rauxel / Paderborn
, 8.9.2015 (cpd)

Mit den Risiken von Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung für die Entwicklung und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben sich bei der Caritas-Fachtagung „Belastete Familien stärken“ in Castrop-Rauxel mehr als 100 Fachleute intensiv auseinandergesetzt. Anlass war das Projekt „Kinder schützen durch Stärkung der Eltern“, das zurzeit von der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn, und dem Diözesan-Caritasverband Paderborn durchgeführt wird.

Das erhöhte Risiko für Kindeswohlgefährdungen in Familien mit psychisch erkrankten, suchterkrankten und von Armut betroffenen Eltern erklärte Prof. Dr. Albert Lenz, Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn. „Die Lebensumstände dieser Eltern sind oftmals sehr belastend und überfordernd. Vielfach fällt es den Eltern schwer, diese Belastungen und die damit einhergehenden Emotionen adäquat zu bewältigen. Dies ist ein Grund, warum diese Eltern eine besondere Risikogruppe für Kindeswohlgefährdungen darstellen“, erklärte Lenz. Die gesundheitlichen Folgen von Kindeswohlgefährdung seien weitreichend: Neben psychischen Störungen wie posttraumatischen Belastungsstörungen, Suizidgedanken, Depressionen, oder antisozialem Verhalten treten bei den betroffenen Kindern vermehrt körperliche Beschwerden auf.

 

Prof. Dr. Udo Bonnet, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel, beklagte die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen: „Die Angst vor Stigmatisierung hindert viele Menschen daran, professionelle Hilfen in Anspruch zu nehmen. Dies führt dazu, dass nur zehn Prozent der Betroffenen entsprechend behandelt und betreut werden.“ Um mehr Menschen den Weg in die Behandlung zu ermöglichen, sei ein Zusammenwirken der Hilfesysteme notwendig. „Wir haben alle oftmals die gleichen Klienten und verfolgen die bestmögliche Unterstützung der Betroffenen als Ziel. Daher müssen wir unsere Hilfen aufeinander abstimmen und zusammenführen“, so sein Appell an die teilnehmenden Fachkräfte.

Auf Einladung des Caritasverbandes für die Stadt Castrop-Rauxel und des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn waren Experten aus den Bereichen der Erwachsenen- sowie Kinder- und Jugendpsychiatrien, der Erziehungsberatung, Suchtberatung, Existenzunterstützenden Hilfen, Frühen Hilfen und den Diensten der öffentlichen und freien Jugendhilfe zusammengekommen.

An mehreren Thementischen wurden im Anschluss an die Vorträge die besonderen Herausforderungen in der Arbeit mit diesen Zielgruppen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert. Einstimmiges Votum der Fachkräfte: Kinderschutz in Familien, in denen Eltern von einer psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung betroffen sind, kann nur dann gelingen, wenn die Kooperation der Helfer funktioniert, ohne dabei aber die betroffenen Familien aus dem Blick zu verlieren. Zudem seien spezifische Methoden notwendig, um die Eltern in ihren besonderen Lebenssituationen zu stärken.

 

An diesem Punkt setzt das Projekt „Kinder schützen durch Stärkung der Eltern“ von Katholischer Hochschule NRW und Diözesan-Caritasverband an, das durch den Sonderfonds für spezifisch-armutsorientierte Dienste der Caritas mit Mitteln vom Erzbistum Paderborn gefördert wird. Die Projektleitung liegt in den Händen von Paul Krane-Naumann (Diözesan-Caritasverband) und Prof. Dr. Albert Lenz. Das Projektteam aus Wissenschaftlern und Praktikern entwickelt ein Gruppeninterventionsprogramm, das sich an die Risikogruppen der psychisch erkrankten, suchterkrankten und von Armut betroffenen Eltern mit Kindern im Alter bis fünf Jahre richtet. Themen sind etwa Emotionsregulation, Stresstoleranz oder soziale Unterstützung. Ziel ist es, die betroffenen Eltern in ihrem Umgang mit den Belastungen und den damit einhergehenden Gefühlen und Befindlichkeiten zu stärken und zu fördern, um Kindeswohlgefährdungen gezielt entgegenzuwirken.

 
 
 

Weitere Informationen bei Dr. Eva Brockmann, Projektreferentin beim Caritasverband für das Erzbistum Paderborn, Am Stadelhof 15, 33098 Paderborn, Tel. 05251 209-348, E-Mail: e.brockmann@caritas-paderborn.de

 
Foto:

Fachleute diskutierten bei einer Caritas-Tagung das Risiko von Kindeswohlgefährdungen in Familien mit psychisch erkrankten Eltern.

(Foto: cpd)
 
 
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